Einleitung in das Konzept der Sta​ndardization Community Map

Das neue Konzept einer Normungsroadmap, der Standardization Community Map (SCM), greift den Gedanken einer Kommunikations-, Wissens- und Dialogplattform des DKE Commitments 2030 auf und nutzt diesen Ansatz in einem ersten Schritt zur Erstellung einer thematischen Übersicht für die Normungs-Community. Ziel ist die frühzeitige Einbeziehung der Normungs-Community, der interessierten Fachöffentlichkeit und interessierter Fachkreise.​

Willkommen bei unserem Blogbeitrag, der eine neues Konzept für eine kollaborative Normungsroadmap vorstellt. Ziel des neuen Konzeptes ist die Beibehaltung der Vorteile der bisherigen Roadmaps, während einige Nachteile und Kritikpunkten möglichst aufgehoben und vermieden werden sollen. Das Konzept wird mit dem Themenfeld “All Electric Society” konzeptionell erprobt und agil weiterentwickelt .

Ihr Feedback, Ihre konstruktive Kritik und Lob wie auch Ihre aktive Mitarbeit sind daher gerne gesehen.

Kontakt: Johannes Stein, DKE, johannes.stein@vde.com

Konzept der Standardization Community Map

Das neue Konzept einer Normungsroadmap, des Standardization Community Map (SCM), greift den Gedanken einer Kommunikations-, Wissens- und Dialogplattform des DKE Commitments 2030 auf und nutzt diesen Ansatz in einem ersten Schritt zur Erstellung einer thematischen Übersicht für die Normungs-Community. Ziel ist die frühzeitig Einbeziehung der Normungs-Community, der interessierten Fachöffentlichkeit und interessierter Fachkreise.

Im DKE Commitment 2030 ist eine Wissens-, Dialog- und Koordinationsplattform für die All Electric Society angeregt und gefordert worden. Die SCM für die All Electric Society (AES) ist als Startpunkt für diese Wissens-, Dialog- und Koordinationsplattform (kurz: Community Plattform) vorgesehen. Die Umsetzung des Konzeptes auf der Community Plattform als interaktives und auf Kommunikation ausgerichtetes Werkzeug zur Information, Übersicht und Abstimmung ist grundsätzlich offen für weitere Themenfelder innerhalb oder über die All Electric Society (AES) hinaus. Der Vorschlag und das Konzept der SCM kann prinzipiell auch für andere Themen verwendet bzw. integriert werden. Die AES wird mit einigen Schwerpunktthemen das Konzept der SCM vorbereiten und erproben.

Bisheriger Ansatz Normungsroadmap

Ausgangspunkt der Überlegungen zur SCM sind die bisherigen Normungsroadmaps. Normungsroadmaps haben erfolgreich breite und in der Regeln neue, innovative Themengebiete analysiert und für die Normungsarbeit vorbereitet. Zuletzt wurde jedoch auch teilweise Kritik an den Normungsroadmaps geäußert, so dass das Konzept mit seinen Stärken weiterentwickelt werden sollte, um auch zukünftig für die Normungs-Community attraktiv zu bleiben.

Die ersten Normungsroadmaps (NRM) wurden von einem Autorenteam geschrieben, der Fachöffentlichkeit vorgestellt, die die Inhalte kommentierte, bevor dann die überarbeitete Version veröffentlicht wurde. Inhalte der NRM werden in einem Dokument erfasst, das für ein bestimmtes Datum hin erstellt, abgestimmt und geschlossen veröffentlicht wird. Nach der Veröffentlichung wird in unregelmäßigen und ggf. längeren Zeiträumen eine neue Version veröffentlicht. Bereits zuvor wurden Konzepte für die Weiterentwicklung der NRM‘s vorgestellt (z. B. als interaktive Roadmap).
Auch im DKE TBINK/Arbeitskreis “All Electric Society” wurde als eine mögliche Aktion zur Umsetzung des DKE Commitments2030 eine Normungsroadmap genannt, allerdings mit der Bitte, dass diese dann als “lebendiges Dokument” zu konzipieren sei.

Grundidee der Standardization Community Map (SCM) – vom Dokument zur Information

Wir lösen das fixe Dokument einer Normungsroadmap auf zugunsten von einzelnen Beiträgen, sogenannten Topics, die direkt veröffentlicht werden, dann von der Community kommentiert und mit der Community weiterentwickelt werden können. Mit diesem Ansatz werden für die aktuelle Diskussion relevante Beiträge zeitnah veröffentlicht und aktualisiert (agil). Häufig werden vergleichbare Konzepte auch unter der Überschrift “vom Dokument zur Information” aufgeführt. Erste Beiträge bilden die Basis, die dann aber gemeinsam von den Fachkreisen und der Fach-Community erweitert werden kann; das Konzept ist also nahezu beliebig skalierbar.
Damit wird auch hier der Schritt hin zu einer digitalen, “smarten” Version einer Normungsroadmap beschritten.
Weiteres wesentliches Merkmal des neuen Konzepts ist die gewünschte Interaktion mit der Fachöffentlichkeit. Beiträge können gemeinsam entwickelt werden, vorhandene Beiträge können kommentiert und damit verbessert und aktualisiert werden. Teilnehmer erhalten einen ersten Einblick und können sich bei Interesse dann zunehmend aktiv auch in der Normung beteiligen. Auch die Beteiligung der Experten aus den verschiedenen Gremien der Normungsorganisationen, von thematisch verwandten Konsortien und Verbänden ist explizit erwünscht, um ein breites, fachlich fundiertes Wissensspektrum abzubilden bzw. neue Ideen möglichst umfassend zu beleuchten und abzustimmen, so dass auf der Basis dann Empfehlungen und Konzepte Eingang in die regulären Normungsprozesse finden können. Gerade übergeordnete Themen bedürfen eine gremien- und sektorenübergreifenden Abstimmung, die mit dem Konzept der Community Plattform ermöglicht und moderiert werden kann
Die digitale Bereitstellung der Beiträge auf digitalen Plattformen, beispielsweise als Blogbeiträge, ermöglicht weitere, digitale Entwicklungsschritte vergleichbar dem Weg, der derzeit für die Normen mit dem Konzept der Smart Standard beschritten wird.
Um den Unterschied zu den bisherigen Normungsroadmaps zu verdeutlichen und um Verwechselung oder Missverständnisse zu vermeiden, wurde eine neuer Name für diese Art der Herangehensweise gesucht.

Der Begriff Standardization Community Map (SCM) betont den interaktiven (Community) Charakter, den Bezug zur Normung (Standardization) und die Aufgabe wie bei den Roadmaps auch eine Richtung vorzuschlagen (Map).

Was ist ein Topic?

Topic: „Ein Topic ist eine Informationseinheit, die durch Titel und Inhalt bestimmt wird. Diese Einheit muss knapp genug sein, um ein einzelnes Thema zu behandeln oder eine einzige Frage zu beantworten. Sie muss jedoch auch ausreichend genug sein, um allein sinnvoll stehen zu können und dabei allein weiterentwickelt zu werden.“ (Wikipedia)
Man kann sich Topics wie einzelne Hilfetexte in einer Software oder einem Wikipedia-Eintrag vorstellen. Topics können untereinander verlinkt werden; sie knüpfen damit an andere Topics an und entwickeln oder detaillieren das Thema weiter.
Topics können sortiert und kuratiert werden, so dass sie wieder eine Art Dokument ergeben, sollten aber auch für sich alleine stehen können (siehe Definition oben). Verbundene/verlinkte Topics könnten auch in einem Wissensgraph dargestellt werden (siehe als Beispiel World Economic Forum, hier zu “The Net Zero Transition“). Topics selber können verschiedene Inhalte enthalten; es können sich Topic-Strukturen oder -templates herausarbeiten.

Aufgaben und Mehrwert der Standardization Community Map (SCM)

Das Konzept soll

  • die Entwicklung gemeinsamer, gremienübergreifender Visionen und Sichtweisen ermöglichen und dabei verschiedene Stakeholdergruppen gremien- und organisationsübergreifend zusammenbringen
  • einen Überblick über ein Thema und erste Orientierung bieten und den Einstieg für neue Experten erleichtern
    • Worum geht es überhaupt?
    • Was gibt es schon in der Normung?
    • Wo kann Normung helfen und unterstützen?
  • daher allgemeinverständlich bleiben – für die Fachöffentlichkeit und Politik – aber auch für den Überblick der Experten in den Gremien der DKE oder anderen Organisationen zu Themen, die über die Detailarbeit ihres eigenen Fachgebietes hinausgehen
  • aktuelle Arbeiten darstellen und parallelen Aktivitäten (z. B. F&E, Politik) erfassen
  • Doppelarbeiten durch gremien- und organisationsübergreifende Synchronisierung und Abstimmung vermeiden (Koordination)
  • „Breite“ Themen frühzeitig aufgreifen –> SCM als koordinierende Klammer für und mit den verschiedenen Gremien, Experten und der interessierten Fachöffentlichkeit
  • Lücken und Umsetzungshindernisse aufzeigen
  • Umsetzung/Realisierung von neuen Konzepten unterstützen und anregen
  • mittels dieses freien und ungebundeneren Formates vornormativ neue Themen, Konzepte und Inhalte erfassen und dann leichter in die Normung überführen
  • ein Mehrwert für die Normungsarbeit bieten und möglichst von Experten und Verbänden als relevant unterstützt und angekannt werden.

Zielgruppen und Motivation für die Community zur Erarbeitung einer Standardization Community Map (SCM)

Die verschiedenen Zielgruppen der SCM sehen ggf. unterschiedliche Vorteile und Mehrwerte in der Arbeit mit und für die SCM, hier bezogen auf eine “All Electric Society Standardization Community Map” und nicht als abschließende Aufzählungen anzusehen:

  • Normungs-Community
    Übersicht über das Konzept AES, Einordnen der eigenen Themen im Zusammenhang von AES, gremienübergreifender Austausch von Ideen und Use Cases, gremienübergreifende Diskussion, Information über angrenzende Themenbereiche, Koordination und Orientierung, frühe Information über Work-in-Progress anderer Gremien, gemeinsames Erkennen von Normungslücken oder Doppelarbeiten, einfachere Darstellung der Bedeutung der eigenen Mitarbeit in der Normung im Unternehmen, eigene Sichtbarkeit des Experten in Beiträgen der SCM möglich, als neuer Experte schnellerer Einstieg in die Thematik, Motivation zur Mitarbeit in der Normung, …
  • Verbände und fachliche Öffentlichkeit
    Übersicht über das Konzept AES und Einordnung der aktuellen Themen in der Normung, fachliche Expertise übersichtlicher, allgemeinverständlicher dargestellt, neutrale Information, …
  • F&E
    Information, was schon vorhanden, Austausch mit Industrie über neue Themen mit F&E-Potential oder neue Projektmöglichkeiten, F&E-Themen frühzeitig in Normung einbringen, um die Brücke zur praktischen Anwendung zu erleichtern, Dissemination von F&E-Ergebnissen, Austausch mit Experten aus der Praxis, …
  • Politik
    Übersicht der Themen, Möglichkeit, Konzepte zu unterstützen oder politische Anforderung anzuregen, Abgleich von Technik, Normung und Regulierung, neutrales Expertenwissen, …

Kritik an bisherigen Normungsroadmaps (NRM)

Vielen der zuvor genannten Vorteile sind auch den bisherigen NRM zu eigen. Allerdings wurden zunehmend auch Kritikpunkte genannt, die im folgenden – auch nicht abschließend – aufgeführt werden, um diese möglichst mit dem neuen Ansatz zu vermeiden:

  • Empfehlungen werden nicht ausreichend umgesetzt, Experten, Fachöffentlichkeit und Verbände sind/waren zu wenig eingebunden
  • Zu hoher Aufwand, Nutzen nicht immer eindeutig, dauert zu lange, nicht agil genug
  • Zu hohe Erwartungen an NRM geknüpft
  • Bisherige NRM nur Momentaufnahme und schnell veraltet

Das Konzept der Standardization Community Map (SCM)

Die aktuelle Idee zur Erarbeitung einer SCM sieht vor, dass

  1. in einer gemeinsamen Arbeitsumgebung, die nach kostenloser Registrierung betreten werden kann, die Topics, also die Beiträge der SCM, vorbereitet, ggf. diskutiert und ausgearbeitet werden
  2. ein inhaltlich vorbereiteter Topic dann in einem öffentlichen Blog veröffentlicht wird
  3. im Blog die Fachöffentlichkeit den Beitrag lesen, direkt kommentieren (nach Registrierung) oder in der Community Plattform anmelden kann, um dort den Beitrag zu kommentieren oder sich an der Überarbeitung zu beteiligen.
  4. Kommentare seitens des erstellenden Gruppe aufgenommen und kommentiert werden, und dann ggf. in einen überarbeiteten Topics-Blogbeitrag münden.

Das Konzept sieht vor, dass einzelne Themen und Beiträge schneller veröffentlicht und überarbeitet bzw. aktualisiert werden können (Agilität, “lebendiges Dokument”). Mit den verschiedenen Kommentierungs- und aktiven Mitarbeitsmöglichkeiten wird eine stärkere Interaktion mit und in der Fachöffentlichkeit angestrebt. Das Konzept ist recht schlank, kann aber über das Tagging in Verbindung mit entsprechenden Übersichtsseiten, Filterungen, facettierter Suche gut skalieren.

Öffentlicher Bereich “Blog”

  • Ein Topic der Roadmap wird als Blogbeitrag, ggf. nach Abstimmung/Freigabe, von der DKE veröffentlicht.
  • Ein Blogbeitrag/Topic kann kommentiert werden oder man kann sich in der Community Plattform anmelden und dort im Entwurfsbereich kommentieren und/oder redaktionell mitarbeiten.
  • Ein Blogbeitrag/Topic wird getaggt, um Inhalte zu suchen oder gefiltert anzeigen zu können.
  • Eine Übersichtsseite wird dem Nutzer einen Überblick über die SCM und aller hier zugeordneten Topics bieten
    Der Nutzer kann sich über einen Themenbaum die Topics/Blogbeiträge anzeigen lassen, die seinem Interesse entsprechen.
  • Themenbaum ist als Menü seitlich als facettierte Suche/Filterung vorhanden.
    Für den Themenbaum sind erstmal zwei Typen von Tags angedacht:
    • Themen: der Blogbeitrag erhält ein “Tag” (Markierung), dass ihn zu einem übergeordneten Themen zuordnet
    • Inhaltstyp: Zu einem Thema kann es verschiedene relevante Inhalte geben (Übersicht, Konzepte, Status Quo, Normungslücken, Empfehlungen … siehe unten)
  • Ein Topic kann über seine Tags mit verschiedenen Themenbereichen in Verbindung gebracht werden, ohne dass Inhalte gedoppelt werden müssten.

Interaktion

  • Kommentierung des Blogbeitrages direkt
  • Registrierung im Community Bereich: hier werden dann vielfältige Möglichkeiten zur Interaktion zur Verfügung stehen.
    So auch Mitarbeit und Kommentierung der Beiträge im Entwurfsbereich (LINK oder Hinweis, wie man dort hin gelangt)

Entwurfsbereich Community Plattform

  • Auf der Community Plattform wird es die Möglichkeit geben, sich auszutauschen und gemeinsam an Texten/Topics zu schreiben.
  • Teilnehmer können (sich) in Gruppen organisieren, um z. B. Topics zu einem bestimmten Themenfeld zu erarbeiten.
  • Ein abgestimmter Topic kann dann in einen Prozess (zu definieren, z. B. Freigabe) gegeben werden und wird dann in den öffentlichen Bereich überführt.
  • Es können neue Topics Änderungen zum Themenbaum vorgeschlagen werden.

Auch wenn die Normungsroadmaps oder auch jetzt die SCM gegenüber dem formaleren und verbindlicheren Normungsprozess ein möglichst unkompliziertes Verfahren darstellen soll, ist dennoch aufgrund der Erfahrungen der bisherigen Normungsroadmaps oder auch anderer Community-Plattformen ein Mindestmaß an Regeln, Prozessen und Rollen notwendig. Ein Minimum an Vorgaben wird zu Beginn vorgegeben und wird sich dann mit praktischen Erfahrungen bedarfsgerecht weiterentwickeln.

Quellen

[polylang lang="en"]15 persons applauded[/polylang][polylang lang="de"]15 Personen haben Beifall gegeben[/polylang]

[polylang lang="en"]applaud[/polylang][polylang lang="de"]Applaudieren[/polylang]

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